Das innere Sabbatical

Radikale Akzeptanz oder die Frage: Warum deine Wahrnehmung der Situation alles verändert

Ich möchte zum Einstieg in diesen Blog-Beitrag kurz vorwegnehmen: ich habe am 13.3.2020 einen rabenschwarzen Freitag den 13. erlebt. An diesem Tag habe ich nicht nur erfahren, dass aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus unsere Kita für 5 Wochen schließt, sondern auch, dass 90% meiner Aufträge als selbständige Trainerin gestrichen oder auf unbestimmte Zeit verschoben sind. Was folgte, war Schock, Panik und Existenzängste.

Dieser Zustand hielt genau zwei Tage an und seitdem bin ich glückselig, inspiriert, entspannt und voller Tatendrang in meiner eigenen isolierten Quarantäne-Welt. Was ist also dazwischen passiert? Dafür muss ich etwas ausholen und die menschliche Spezies „Positiver Psychologe“ erklären, denn von dieser Gattung können wir alle lernen, wie wir gesund und entspannter mit Krisen wie dieser umgehen können. 

In den letzten zwei Wochen habe ich meine eigene kleine Umfrage betrieben und mich mit meinem gesamten Netzwerk an Kollegen aus der Positiven Psychologie ausgetauscht. Sie alle hatten 2 Dinge gemeinsam: Als Freiberufler und Unternehmer sind sie nun genauso hart wirtschaftlich getroffen wie ich. Aber keiner von ihnen war verzweifelt, demotiviert, tief verängstigt oder gestresst. Im Gegenteil: sie schauen mit Zuversicht auf die nächsten Monate und darauf, was aus der Krise Gutes entstehen wird. Und sie genießen gerade alle diesen unerwarteten Kurswechsel und waren erstaunlich gut drauf.

Was bei ihnen und mir innerhalb von wenigen Tagen passiert ist als Reaktion auf die krassen Veränderungen unserer Umwelt, ist ein Mechanismus, in dem wir positiven Psychologen Meister sind. Dieser Mechanismus braucht etwas Übung, aber ist leicht trainerbar und der alles entscheidende Schlüssel zu einem entspannten und glücklichen Leben: unsere Wahrnehmung.

Unsere Stressreaktion ist nicht das objektive Ergebnis unserer bedrohlichen Umwelt, Stress ist nicht objektiv. Vielmehr hängt die Intensität unserer Stressreaktion davon ab, wie bedrohlich wir eine Situation bewerten. Wie wir also auf eine Situation schauen, ist maßgeblich entscheidend dafür, ob wir ausflippen oder ruhig bleiben.

Unser Gehirn ist darauf programmiert, permanent nach Gefahren zu suchen – ein Überlebensapparat. der niemals stillsteht. Dabei verallgemeinert unser Gehirn und macht Gefahren riesengroß. Hast du irgendwann die letzten Wochen mal das Gefühl bekommen, dass in dieser Krise alles schlecht ist oder sie ewig anhalten wird? Bingo.

Die Wahrheit ist: dies ist ein sehr kleiner Ausschnitt der Realität. Die objektive Realität bietet exakt genauso viele positive wie negative Informationen für uns. Von dieser Flut an Informationen können wir leider nur einen Bruchteil bewusst wahrnehmen (nur 0,0004 Prozent kann unser Gehirn bewusst verarbeiten!). Und da wir aber evolutionär auf Überleben getrimmt sind (und früher war das auch sinnvoll, als es noch Gefahren gab, die das Überleben bedroht haben), fokussiert unser Gehirn auf negative Neuigkeiten.

Der alles entscheidende Schlüssel für mehr Glück und Gelassenheit liegt daher in unserer Bewertung einer Situation und in der Neuausrichtung unseres Wahrnehmungsfilters. Neuausrichten kann man diesen Filter durch einfache Techniken wie:

  • Fokus auf das positive: was entsteht gerade positives für mich, für meine liebsten, für Deutschland? Was sind Chancen der Krise?
  • Dankbarkeit: Wofür bin ich gerade jetzt dankbar? Dieses können ganz kleine Dinge sein und alles Mögliche umfassen: z.b. dankbar sein, dass wir gerade jetzt gesund sind. Dass nachbarn beim Einkaufen aushelfen falls du gerade in Quarantäne bist. Dass wir Zugang zu Skype, Facetime und co haben, um weiterhin in Kontakt zu unseren Liebsten sein zu dürfen. Ein sogenanntes Dankbarkeitstagebuch langfristig zu führen, ist eines der effektivsten Mittel, um seine Wahrnehmung nachhaltig positiv zu beeinflussen.
  • Sich der Flut negativer Nachrichten nicht permanent aussetzen: gerade jetzt ist es wichtig, informiert zu sein über die Entwicklung der Pandemie. Dabei solltest du dich aber nicht permanent negativen (oder verzerrten) Nachrichten aussetzen, sondern verlässliche Quellen in Maßen konsumieren.

Mit der Neuausrichtung deines Wahrnehmungsfilters hast du schon einen entscheidenden Schritt zum Umgang in Krisen geschafft. Deine Haltung und Einstellung zur Situation ist damit verknüpft und ein weiterer mächtiger Trick. Dazu möchte ich gerne zwei grundsätzliche Weltbilder erläutern:

Ein passives Opfer sind wir, wenn wir über die aktuelle Situation jammern und uns dabei im Kreis drehen. Dieser Zustand lässt sich beliebig lang fortsetzen: man könnte in der Corona-Krise über das fehlende Klopapier schimpfen, die Katastrophe für die Wirtschaft, die Entscheidungen der Bundesregierung, die schlechte Ausgestaltung des Online-unterrichts der Schüler. Ich denke, die Liste ließe sich endlos erweitern, sodass wir 24/7 für die nächsten 3 Monate schimpfen und motzen können. Fakt ist aber: damit ändert sich rein gar nichts.

Eine weitaus effektivere haltung zur aktuellen krise nehmen wir daher ein, wenn wir ein Active Agent – ein aktiver Bewältiger sind. Der aktive Agent konzentriert sich auf die Dinge, die er verändern kann und nimmt sein Schicksal selbst in die Hand. DH. nur mit der Einstellung des Active Agent kommen wir in einen Lösungs-Modus und noch dazu geht es uns emotional deutlich besser: So ist es eine sehr aktive Tat, zu unterscheiden, was man selbst verändern kann und was nicht. Es ist auch eine sehr aktive Tat, jetzt zuhause zu bleiben und nichts zu tun. Mit diesem aktiven Verhalten schützen wir nicht nur uns selbst, sondern tragen dazu bei, dass sich möglichst wenig Menschen mit Covid-19 infizieren.

Radikale Akzeptanz dessen, was wir nicht beeinflussen können, ist ein entscheidendes Element vom Active Agent dasein.

Ich kann nicht verändern, dass ich die nächsten 2 Monate so gut wie keinen Auftrag habe und die Zukunft ungewiss ist. Was ich verändern konnte, ist meine Einstellung zur Situation. Und so sitze ich nun glückselig allein in meiner Wohnung: Ich mache ein Sabbatical in meinen eigenen vier Wänden. Ich habe endlich Zeit für mich, für neuen Impulse und für lang aufgeschobene Projekte. Ich übe das allein-sein, was für eine phantastische Möglichkeit zu wachsen! Und so bin ich der glücklichste und dankbarste Mensch der Welt. Dabei war der alles entscheidende Unterschied meine Einstellung und Wahrnehmung der Situation. Und für dieses Skillset bin ich unendlich dankbar.

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