Positive Psychologie in 100 Worten

Wie du mehr Happiness und Wohlbefinden in dein Leben bringst

Wenn ich in meiner Arbeit mit Kunden den Begriff „Positive Psychologie“ erwähne, gucke ich oft in fragende Gesichter. Ich habe für mich schon längst mental notiert: da scheint es sich wohl nicht gerade um einen aussagekräftigen Begriff zu handeln, erstrecht nicht sexy. „Glücksforschung“ trifft es auch nicht so richtig, denn Glück ist ein zweideutiges Wort im Deutschen. Und dieser immer größer werdende Bereich der Psychologie scheint noch nicht in der Gesellschaft angekommen zu sein.  Aber die Sache ist die: die Buchhandlungen und das world wide web sind voll von Themen rund um die Positive Psychologie!

„Im Gegensatz zur traditionellen defizitorientierten Psychologie befasst sich die Positive Psychologie mit den positiven Aspekten des Menschseins, so werden etwa GlückOptimismusGeborgenheitVertrauen, individuelle Stärken, Verzeihen (Vergebung) oder auch Solidarität behandelt“ (Quelle: Wikipedia).

Ich mag die Definition! Aber was konkret heißt das eigentlich?

Positive Psychologie in 100 Worten heißt:

Den Wahrnehmungsfilter neu ausrichten und Dankbarkeit spüren. Dankbarkeit zeigen.  Anderen mit Respekt und Wertschätzung begegnen und durch Geben so viel mehr Glück zurückbekommen. Auch seine Stärken nutzen, anstatt auf Schwächen zu fokussieren. Mut haben, für sich einzustehen. Sich selbst kritisch hinterfragen und neue Wege gehen. Anderen vergeben und sich selbst lieben. Die Komfortzone verlassen und darauf vertrauen, dass vieles machbar und erlernbar ist. Seine Emotionen kennen und aktiv lenken. Akzeptieren, was nicht zu ändern ist. Den Tiefen nicht ausgeliefert sein, sondern die Ärmel hochkrempeln und sein Leben aktiv gestalten. Sinn finden und Leidenschaften nachgehen. Jeden Tag bewusst leben, achtsam sein.

Neugierig geworden? Dann habe ich hier für euch einige meiner Lieblingstools und ganz praktischen Übungen, die in Studien einen großen Effekt erzielt haben, sich also spürbar positiv auf dein Leben auswirken können und noch dazu keinen Cent kosten:

Dankbarkeitstagebuch

Ich erwähne es immer wieder aus einem einfachen Grund: Das Dankbarkeitstagebuch ist eine der einfachsten und effektivsten Methoden, um das eigene Glückslevel langfristig zu heben. Nur einen Bruchteil der Informationen, die jede Sekunde auf unsere Sinnesorgane einprasseln, nehmen wir bewusst wahr. Dieser natürliche Filter ist lebenswichtig, aber leider durch unsere Prägung von Erziehung, vergangener Erfahrungen und Medien oft auf Negatives ausgerichtet. Noch dazu gewöhnen wir uns erstaunlich schnell an Annehmlichkeiten im Leben (wer freut sich schon nach zwei Jahren immer noch täglich über eine Beförderung oder das eigene Haus?). Sich die positiven Dinge unseres Lebens wieder bewusst zu machen und Dankbarkeit zu üben, ist daher ein wichtiger Bestandteil für mehr Glück und Wohlbefinden. Den Wahrnehmungsfilter neu justieren kannst du durch diese einfache Methode: Notiere jeden Tag drei Dinge in deinem Leben, für die du dankbar bist. Dieses können ganz kleine Dinge sein und alles Mögliche umfassen (Gesundheit, tolle Gespräche mit Menschen, eine zündende Idee, Zeit für sich, ein nettes Wort vom Kollegen oder brave Kinder sind nur der Anfang). Nach einigen Wochen fleißigem Tagebuch Schreibens ist das Gehirn so an das Scannen von positiven Erinnerungen gewöhnt, dass du auch viel mehr Positives in deinem Umfeld wahrnimmst. Unterstützung gibt es von Apps wie Gratitude Diary etc.

Meditation

Allen denjenigen, die Meditation für esoterischen Kram mit Räucherstäbchen und stundenlangem unbequemen Sitzen halten, möchte ich sagen: Das habe ich auch lange gedacht! Es stellte sich dann aber heraus, dass Meditieren in Wirklichkeit ein simples Tool gegen Stress und für mehr Wohlbefinden ist. Ein Werkzeug, das du überall dabei hast, das nichts kostet, keine unerwünschten Nebenwirkungen hat und auch nur fünf Minuten dauern kann. Ach so, und für alle hartnäckigen Skeptiker: die Effekte von Meditation sind intensiv beforscht worden. Auch hier gibt es tolle Apps (wie z.b. Insighttimer) und Video-Kanäle im Internet, die kostenlose, angeleitete Meditations-Sessions anbieten.

Complaint Free Challenge

Dies ist ein weiteres Tool, um den Wahrnehmungsfilter neu auszurichten und dabei von der Problemorientierung in die Lösungsorientierung zu kommen. Ins Leben gerufen hat diese Kulturinitiative der amerikanische Priester Will Bowen. Ihn störte die Jammerkultur seiner Gemeinde und so rief er sie zu folgender Challenge auf: 21 Tage lang ohne Jammern und Lästern auskommen. Wer sich dennoch dabei ertappt, muss ein Armband vom einen auf das andere Handgelenk wechseln und von vorne beginnen. Unterdessen sind mehr als 11 Millionen Armbänder im Umlauf. Eine tolle Aktion, um ganz simpel eine sehr effektive Verhaltensänderung zu bewirken! Zu kaufen gibt es solche Bändchen beispielsweise bei Will Bowen oder bei meinen Kollegen von Corporate Happiness. Und wer es ganz ohne Bändchen ausprobieren will: die Aktion funktioniert auch prima mit Steinen oder Bohnen, die bei jedem Ausrutscher im Laufe des Tages von der einen in die andere Hosentasche wandern. Ziel dieser Aktionen ist, sich eigene Verhaltensmuster bewusst zu machen. Wie genau du dir das in Erinnerung rufst, bleibt dir überlassen.

Ziele schreiben

Während die bislang erwähnten Methoden auf das Wohlbefinden im Hier und Jetzt abzielen, handelt es sich beim Ziele schreiben um ein Tool, das deinen langfristigen Glücks-Kompass neu ausrichtet. Viel zu oft sind wir im Leben im täglichen, wöchentlichen, jährlichen Hamsterrad gefangen. Ehe man sich versieht, ist die Woche schon wieder um, oder? Geht mir auch so. Dabei kann es leicht passieren, dass man darüber seine langfristigen Ziele (und Träume!) aus den Augen verliert. Was ist dir wirklich wichtig in deinem Leben? Und was möchtest du am Ende deines Lebens erreicht haben? Angenommen, du hättest nur noch acht Jahre vor dir, was willst du damit anstellen? Beim Ziele-schreiben setzt du dich mit diesen Fragen ganz bewusst auseinander und kümmerst dich von Zeit zu Zeit um die wirklich bedeutsamen Dinge im Leben. So geht’s: Mit der Frage „Wo bin ich heute in 5 Jahren“ und mindestens 30 Minuten ungestörter Ruhe setzt du dich an ein leeres Blatt Papier und schreibst alles herunter, was dir zu diesem Zielzustand einfällt. Wo bist du, was tust du, wer ist mit dir da? Wie fühlt sich das an, wie sieht das aus, was erlebst du? Koste den positiven Zielzustand und auch den Weg dahin richtig aus, bis er kristallklar vor deinem inneren Auge steht. Die Vision wird in dir arbeiten und eine Menge Energie freisetzen, langfristig auf deine Träume hinzuarbeiten.

Dies sind nur einige Tipps und Methoden von einem großen Koffer an einfachen Dingen und komplexeren Konzepten der Glücksforschung, die großartig auf unser Wohlbefinden einzahlen. Und wer von euch eine Idee hat, wie man den Bereich der positiven Psychologie dann doch sexy neu betiteln könnte: Worauf wartest du, immer her damit!! 

Vertont gibt es diesen Artikel auch noch hier in meiner dazugehörigen Podcast Folge:

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