Raus aus der Komfortzone

This is where the magic happens

„Raus aus der Komfortzone“ ist längst ein geflügelter Begriff in der Berufswelt. Doch was steckt hinter dieser Redewendung?

Fast könnte man meinen, die Komfortzone ist etwas negatives, wie ein mystischer Sog, von dem man sich lösen muss. Das Internet ist voll von Motivations-Sprüchen und Zitaten wie: Dein Leben beginnt da, wo deine Komfortzone endet. Wow. Klingt erstmal gut.

Aber was ist denn diese böse Komfortzone überhaupt? Als ich neulich in einem Training von Komfortzone sprach, stellte ich schnell fest, dass meine Teilnehmer das dahinterliegende Modell (das sogenannte 3-Sektoren-Modell) gar nicht kannten. Dabei hat dieses einfache Modell einen großen Mehrwert für das Anstoßen von persönlichem Wachstum, aber auch für den richtigen Umgang mit Stress.

Die Komfortzone: our happy place

In Wahrheit erfüllt die Komfortzone einen wichtigen Zweck: wann immer wir uns in unserer Komfortzone bewegen, sind wir in einem gewohnten Umfeld unterwegs. Dabei handelt es sich um Handlungen, Fertigkeiten, Strukturen oder eine Umgebung, die durch Gewohnheiten und Vertrautes gekennzeichnet ist. Dies hat den großen Vorteil, dass wir auf Autopilot schalten können. Ohne viel kognitive Energie verwenden zu müssen. Wenn wir beispielsweise seit 10 Jahren Auto fahren, dann erlaubt uns diese automatisierte Fertigkeit, dass wir heute während des Fahrens Radio hören, uns unterhalten, über das Mittagessen nachdenken und gleichzeitig halbwegs entspannt ankommen. Alles dank unserer Komfortzone.

Warum das Verlassen der Komfortzone so schwer fällt

Wann immer wir etwas Neues lernen müssen oder wollen, bewegen wir uns hingegen in der sogenannten Lern- oder Wachstumszone (im englischen auch stretch zone genannt). Wenn wir uns eine neue Fertigkeit (Stichwort Autofahren!) aneignen wollen, ist dies erstmal ungemein anstrengend. Unser Gehirn muss eine Vielzahl an neuen Informationen verarbeiten und braucht dafür viel mentale Aufmerksamkeit. Und das schlaucht. Hinzu kommt, dass viele von uns im Laufe unseres Lebens Glaubenssätze entwickeln, die uns vor Neuem zurückschrecken lassen (schon mal „das schaffe ich sowieso nicht?“ oder „Da kann ja alles mögliche passieren“ gedacht?).

Wichtig ist, die folgenden Aspekte zu reflektieren:

  • Welchen Mehrwert habe ich, wenn ich meine Komfortzone verlasse? Was ist möglich, wenn ich mir dieses Neue (Fertigkeit, Wissen, o.ä.) erfolgreich angeeignet habe?
  • Welche subjektiven Überzeugungen habe ich, die mich aktuell zurückhalten? Sind sie wahr?
  • Welche objektiven Risiken und Hindernisse gibt es und wie kann ich sie überwinden?

This is where the magic happens: die Lernzone

Die Lernzone ist also ein anstrengender Ort, an dem wir viel Energie aufwenden müssen, aber es lohnt sich! Wäre ich als 17-Jährige niemals mit weichen Knien in dieses Fahrschulauto gestiegen (30 quälende praktische Fahrstunden folgten) , könnte ich heute nicht die großartige Freiheit genießen, völlig flexibel und selbstbestimmt von A nach B zu fahren.

Wenn alles zu viel wird

Also: Lernen ist Entwicklung und immer gut. Raus mit dir aus der Komfortzone! Oder? Jein.

Wenn wir uns zu weit von unserer gemütlichen, plüschigen Komfortzone entfernen, geraten wir in die sogenannte Panikzone. Herrscht in unserem Gehirn Reizüberflutung und es prasseln zu viele, nicht kontrollierbare Eindrücke auf uns ein, ist Lernen nicht mehr möglich. Was folgt, ist Stress und Überforderung.

Kenne “deine” drei Zonen

Wichtig ist also die Balance: zwischen dem Aufhalten in der Komfortzone in Zeiten, in denen Orientierung, Konsolidierung und Erholung wichtig ist und dem Rauswagen in die Lernzone, wenn Abenteuer, Horizonterweiterung und Wachstum zentral sind. Und dabei ist es notwendig, die Grenze zur Panikzone im Auge zu behalten und einen Gang zurückzuschalten, wenn man sich zu viel zumutet.

Als ich 2013 den Beschluss fasste, nach Sydney zu ziehen, katapultierte mich diese Entscheidung meilenweit aus meiner Komfortzone heraus. Alles Gewohnte hinter mir lassen, auf der linken Straßenseite fahren, im Job auf englisch Präsentationen halten, Orientierung in einer fremden Stadt- ich war anfangs häufig außerhalb meiner Komfortzone und nicht selten am Rand der Panik. Das erste Jahr war anstrengend, hart und vollgestopft mit sozialen Fettnäpfchen. Aber mir hat es in dieser Zeit geholfen, meine „Zonen“ und ihre Grenzen gut zu kennen und immer wieder bewusst zu machen. Um Geduld zu haben in Lernphasen. Um bei Überforderung einen Gang rauszunehmen. Und eins kann ich versichern: am Ende war das Fahren auf der „falschen“ Straßenseite kein Problem mehr.

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